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| Staatsoper
Unter den Linden, Berlin Catherine Naglestad spielt und singt mit umwerfender Präsenz und
äußerster vokaler Hingabe dieses leicht hysterische, unbefriedigte
Luxusgeschöpf, das den sicheren Hafen seiner Ehe verlässt, um
sich beim wahrsagenden Küchenpersonal Exotikerlebnissen, sodann –
im durchsichtigen Negligé nächtens an einem unheimlichen Ort
– Schauern der Angstlust hinzugeben. It helps that the house has assembled a first-rate cast, headed by Catherine
Naglestad's full-blooded Amelia. Naglestad molds a gripping sound with
consummate refinement. An Jenis' Seite brilliert Catherine Naglestad in beinahe schon gewohnter
Manier. Wenn sie, in Erwartung des Todes, zu ihrem Abschiedsgesang "Morrò
ma prima in grazia" ansetzt, steht die Welt für einen Augenblick
still. Wie Catherine Naglestad in ihrem Nachthemd hin- und hergeweht wird von
den leidenschaftlichen Stürmen aus Abwehr und Sehnsucht, wie sie
einmal ganz fraulicher Körper scheint und dann wieder wie ein dünnes
Hemdchen über die Bühne flattert, wie ihr kraftvoller, fast
schroffer Sopran dunkel durch alle diese Stürme leuchtet, das ist
ganz einfach großartig. Catherine Naglestad vermag mächtig aufzudrehen und triumphale Töne
aus sich herauszuschleudern. Catherine Naglestad zeichnet Amelia als eine in die Jahre kommende, vernachlässigte
Ehefrau, der allzu spät und unter ungünstigsten Bedingungen
die große Liebe begegnet. Zerrissen zwischen dem großen Gefühl
und lang geübter, eleganter Contenance liefert Naglestad das Porträt
einer Frau, der durch die Liebe ihre eigene große Lebenslüge
und damit die Nichtigkeit ihrer ganzen Existenz bewusst wird. Catherine Naglestad, mittlerweile weltweit geliebt für ihre seelenvollen
Rollenporträts, ist für die zwischen Gattentreue und Bereitschaft
zum Ehebruch aufgezehrte Amelia eine Idealbesetzung. Mit ihr fühlt
und leidet man in diesem auf mehreren Kommunikationsebenen seine Täuschungsmanöver
und Versteckspiele durchexerzierenden Drama von der Liebe und dem Tod. Catherine Nagelstad ließ die Amelia kraft ihrer stimmlichen Farbgebung
wunderbar schweben. Catherine Naglestad als Amelia ein dramatisch lyrischer Sopran, der vor
allem mit einer vielfarbig strahlenden Mittelage und sicher gesetzten
Piani im oberen Register zu fesseln wusste. Die Amerikanerin gehört
seit einiger Zeit zu den spannendsten und flexibelsten Künstlerinnen
auf internationalen Podien. Darstellerisch ist Naglestad ein echtes Erlebnis
– zuletzt als grandiose Tosca in der Baden-Badener Lehnhoff-Fassung.
Jede Geste wirkt aufs höchste natürlich und ehrlich –
stets gelebt, nie gespielt. Vom Musikalischen gesehen sowieso: Beczala / Jenis / Naglestad fuhren
zu Höchstleistungen auf. Inmitten dieser großartigen Sopranistin
- Naglestad erinnerte mich an den stets so rauchig mitgeklungen habenden
Leontyne-Price-Sound, doch die Naglestad klingt noch viel rauchiger, erotischer,
und ihre Spitzentöne wandern zwischen Engelsüß bis Erdbeben
- war schwerlich abzuschätzen, wer den "würdigeren"
Partner gab.
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